Alles oder nichts im Abstiegskampf

Die Lage um den TV Steffisburg spitze sich in den letzten Wochen zusehends zu. Nach fünf Niederlagen in Serie schlitterten die Zulgtaler wieder zurück in Richtung Tabellenkeller und befinden sich nun zwei Spieltage vor Schluss plötzlich wieder mitten im Abstiegskampf. Nach der empfindlichen Niederlage am Dienstag auswärts in Schaffhausen hat das Team während der letzten drei Tage nochmals intensiv gearbeitet, die Situation analysiert, jedoch ohne dabei den Teufel an die Wand zu malen. Es ist absolut jedem Bewusst, in welcher Situation man sich befindet und dass man aber immer noch alles in der eigenen Hand hat. Mit dieser Zuversicht gingen die Jungs von Trainer Sven Krainer in das letzte Heimspiel der Saison gegen die SG Fides St. Gallen. 

Der Beginn der Partie war von Fehlwürfen auf beiden Seiten geprägt - nach 4 Minuten lag der TVS mit 0:2 hinten. Keines der beiden Teams wirkte richtig sattelfest. Nach etwas mehr als 7 Minuten glich Nicolas Dähler zum 2:2 aus und es schien, als hätten die Steffisburger die Anfangsnervosität abgelegt und nun so richtig in die Partie gefunden. Was folgte waren beeindruckende 15 Minuten, in welchen das junge Team nochmals bewies, wozu es imstande war. In der Abwehr wurde beherzt zugelangt mit der nötigen Priese an Aggressivität und Härte, sodass man es dem Gegner sehr schwer machte, sich gute Chancen herauszuspielen. Dazu kam ein gut aufgelegter Torhüter Leo Ebner, der mehrere Bälle parierte, seinen Vorderleuten ein starker Rückhalt war und sich auch selbst noch in die Torschützenliste eintragen konnte. Nach vorne forcierte man das schnelle Umschaltspiel, welches immer wieder in einfachen Toren endete. Aber auch im ruhenden Positionsangriff fand man trotz Abwesenheit von Topscorer und Spielgestalter Serafimovics immer wieder die passenden Lösungen. Nach 23 Minuten stand ein neun Tore Vorsprung (14:5) auf der Anzeigetafel. In den letzten Minuten der ersten Halbzeit leistete sich das Heimteam dann einige Fehler im Angriff, welche den Gegner zur Pause auf 16:10 verkürzen liessen. 

Das Fazit in der Garderobe war schnell gezogen, die Steffisburger wollten ihr Spiel weiter so durchziehen, im Wissen, dass die Gäste sich sicherlich nicht so einfach abschlachten lassen und in der zweiten Halbzeit nochmals einen Gang höher schalten wollten. Dem sollte weiterhin die stabile Abwehr entgegengesetzt werden wie in den ersten 30 Minuten. 

Die zweite Halbzeit startete direkt mit 2 Toren der Fidesler, davon liessen sich die Steffisburger jedoch nicht beunruhigen und zogen ihr Spiel weiter durch. In dieser Anfangsphase des zweiten Umgangs waren die Abwehrreihen und Torhüter noch nicht ganz der Faktor wie noch im ersten Abschnitt. Beide Teams skorten (mit Ausnahme ein paar Fehlwürfen neben das Tor) munter weiter, so blieb es lange Zeit bei den vier bis sechs Toren Vorsprung für den TVS. Die Steffisburger müssen sich sicherlich vorwerfen, aus den Überzahlsituationen nicht mehr Profit geschlagen zu haben - sie verpassten es mehrmals, ihren Vorsprung in Überzahl auszubauen. 

Nach 44 Minuten (24:20) nahm Sven Krainer seine zweite Auszeit und stimmte sein Team nochmals für die letzten entscheidenden Minuten ein. Nur kurz nach dem Time-Out fingen die Zulgtaler wieder an, sich das Leben selbst schwer zu machen. Im Angriff fehlte zunehmend der Spielfluss und die Ideen, sodass mehrere technische Fehler die Ostschweizer wieder zurück in Schlagdistanz holten. Es wäre ja schliesslich nicht der TV Steffisburg, wenn es nicht nochmals spannend werden würde. Mit einem 0:4 Lauf kämpfte sich Fides wieder auf ein Tor heran, danach ging es im Gleichschritt weiter und ein Tor wurde jeweils im nächsten Angriff mit einem Gegentor beantwortet. Auch die zwischenzeitliche Einwechslung von Fynn Hodler im Tor brachte nicht den erwünschten Effekt. 

Nach 52 Minuten nahm der Trainer des Gegners sein zweites Time-Out, die Spannung in der Crunchtime war immens. Die Gäste glichen das spiel nach dem Wiederanpfiff aus, technischer Fehler TVS und schon stand es plötzlich +1 für den Gegner, das Spiel drohte zu kippen. Doch die Steffisburger liessen sich davon nicht beeindrucken, fanden im Angriff nun wieder zum Erfolg zurück und behielten einen kühlen Kopf. Zur Freude der lautstarken Fans meldete sich dann auch Torhüter Leo Ebner erfolgreich wieder zurück, parierte einen freien Durchbruch und bereits den zweiten Siebenmeter von Altmeister Robert Weber. Das Heimteam konnte auch in Unterzahl reüssieren, in der Abwehr konnten sie den Laden jedoch nicht dichthalten und Fides blieb dran. 70 Sekunden vor dem Schlusspfiff glichen die Gäste erneut aus (31:31), die Steffisburger liessen den Ball gut laufen und räumten schön bis nach Aussen ab, es stand wieder +1. Dann setzte Gregory Lädrach den Gegner nach dem Anspiel auf der Mitte clever unter Druck und provozierte einen Ballgewinn. Trainer Sven Krainer zog 27 Sekunden vor Schluss seine letzte Auszeit, um nochmals Ruhe hineinzubringen und die letzten Sekunden zu besprechen. 19 Sekunden vor Schluss erzielten die Hausherren das entscheidende Tor, Fides konnte im Gegenzug zwar nochmals verkürzen, am Sieg der Zulgtaler änderte dies jedoch nichts mehr. 

Der Jubel über den völlig verdienten Sieg nach dem Schlusspfiff war gross und die Jungs liessen sich zu Recht feiern. Wie die restlichen Resultate der zweitletzten Runde zeigten, war dieser Sieg enorm wichtig, denn sämtliche Konkurrenten hinter dem TVS konnten ihre Spiele ebenfalls gewinnen, somit ist man noch nicht sicher. Die Steffisburger haben allerdings die beste Ausgangslage und den Ligaerhalt selber in der Hand, dazu benötigt es am kommenden Samstag einen Sieg auswärts in Winterthur bei der SG Yellow/ Pfadi Espoirs. Die Jungs werden nochmals alles in die Waagschale werfen, um sich mit einem Sieg positiv in die Sommerpause zu verabschieden und sich für eine erfolgreiche Saison zu belohnen. Anpfiff aller Spiele am letzten Spieltag ist um 19:30 Uhr, die Partie kann wie immer im Livestream verfolgt werden. 

Hopp Stäffi! 

Fürs "Eis": Janes Karlen
Fotos: Nils Kiener