Zwei Halbzeiten wie Tag und Nacht
Nach einem spielfreien Wochenende stand für den TV Steffisburg eine englische Woche auf dem Programm. Am Mittwochnachmittag versammelte sich das Team vor der heimischen Musterplatzarena, um die Fahrt nach Zürich anzutreten. Beim Nachbarn in der sehr engen Tabelle SG GC Amicitia / HC Küsnacht wollte das Team die nächsten zwei Punkte einfahren, der Gegner war jedoch in guter Form und konnte zuletzt mit zwei Siegen glänzen.
Der Beginn der Partie war sehr ausgeglichen, beide Teams konnten ihre Angriffe jeweils erfolgreich nützen und die Abwehrreihen hatten noch nicht den Zugriff gefunden, ebenfalls die Torhüter spielten noch keine grosse Rolle. Nach einem verwandelten 7-Meter stibitzte der TVS den Ball direkt vom Anspiel mittels «Bänkli-Trick» und konnte so erstmals mit drei Toren in Führung gehen, kurze Zeit später wurde diese gar auf vier Tore erhöht, was den GC-Trainer in der 13. Minute zu seinem ersten Time-Out verleitete.
Die Auszeit zeigte kurz Wirkung und das Heimteam verkürzte auf 11:13, danach starteten die Zulgtaler jedoch einen Lauf und konnten mit der Unterstützung des eingewechselten Leo Ebner im Tor, der einige sehenswerte Paraden zeigte, fünf Mal in Folge reüssieren und so drückte der Staff der Zürcher bereits nach 21 Minuten zum zweiten Mal den Buzzer. Die Steffisburger liessen sich davon nicht stoppen und spielten weiter konzentriert ihre Angriffe aus und erzielten Tor für Tor, während hinten der Abwehr-Torhüter Verbund immer wieder Ballgewinne erzeugte. Mit einer völlig verdienten 16:25 Führung ging es in die Halbzeit.
Beim Pausentee gab es eigentlich nicht viel zu besprechen, die erste Halbzeit war wahrscheinlich eine der besten, die das Team in der bisherigen Saison gezeigt hat. Mit gerade einmal drei technischen Fehlern und vier Fehlwürfen hielt man die die eigene Fehlerquote sehr gering und fand nach anfänglichen Schwierigkeiten auch in der Abwehr ins Spiel und konnte den Gegner so zu Fehlern und unpräzisen Abschlüssen zwingen. Dies galt es so für die zweiten 30 Minuten durchzuziehen mit dem Wissen, dass der Gegner sicher nochmals alles versuchen wird und mit voller Energie aus der Halbzeit kommen wird.
Bis zur 40. Minute lief alles wie geplant, das erste Offensivfeuer der Limmatstädter nach der Halbzeit konnte abgewehrt werden und der Vorsprung wuchs sogar noch leicht an auf 20:30. Es folgte ein erster kleiner Knick im Spiel des TVS, in doppelter Unterzahl fand man vorne keine Lösung und konnte hinten den Gegner nicht stoppen, sodass Sven Krainer nach 42 Minuten beim 23:30 seine zweite Auszeit nahm. So weit war noch alles in Ordnung, man hatte immer noch alles selbst in der Hand und der Gegner kam nur aufgrund der etwa nachlassenden eigenen Leistung heran. Kurz nach der Auszeit folgte eine knapp vierminütige Torflaute auf beiden Seiten, in welcher es beide Teams verpassten, sich mit einigen Toren in eine aussichtsreichere Position zu spielen. Leider dauerte die offensive Durststrecke der Steffisburger weiter an und man lud den Gegner mit zu vielen unnötigen Ballverlusten zu einfachen Toren ein. Nach zwei Toren im Angriff und einer wichtigen Parade hinten stand es in der 52. Minute 27:34 für die Gäste, was eigentlich ein komfortabler Vorsprung ist und welchen man ohne spannende Crunchtime ins Trockene hätte bringen müssen.
Der aufmerksame Leser bemerkt den Konjunktiv – es kam leider anders. Im Angriff fanden die Berner Oberländer seit längerem kein Mittel mehr gegen die offensive Deckung des Gegners und dieser kämpfte sich Tor um Tor heran. 5 Minuten vor Schluss nahm der TVS sein letztes Time-Out und besann sich nochmals auf seine mentale Stärke, welche es jetzt zweifelsohne brauchte. Die Verunsicherung war dem jungen Team allerdings deutlich anzumerken und ein klein wenig auch die schwindenden Kräfte nach einem intensiven und schnellen Spiel. Nach einer roten Karte gegen den TVS, zwei weiteren Toren des Heimteams und einer Zeitstrafe gegen den Abwehrchef der Zürcher stand es eine Minute vor Schluss 34:35. Ein Ballverlust führte zu einem Wurf aufs leere Tor der Steffisburger, welcher jedoch zu wenig scharf geworfen wurde uns so vom zurückeilenden Jorden Lindner abgefangen werden konnte. Auch im letzten Angriff fand der TVS kein Rezept mehr gegen die GC-Abwehr und so musste bei Zeitspiel ein Wurf genommen werden, welcher den Weg ins Tor nicht fand. 8 Sekunden vor Schluss nahm GC sein letztes Time-Out, um den letzten Spielzug zu besprechen. Der Abwurf des Torhüters wurde ausgeführt und die Angreifer rannten auf die Steffisburger zu, der letzte Pass war jedoch zu ungenau gespielt und konnte von Dominic Neiger abgefangen werden, womit der Sieg und die zwei Punkte im Trockenen waren.
Der TVS muss sich definitiv vorwerfen, diesen sicher geglaubten Sieg fast noch selbst weggeworfen zu haben. Nach 40 überragenden Minuten kam der grosse Bruch und man holte den Gegner selbst mit zu vielen unnötigen eigenen Fehlern wieder ins Spiel. Hier merkte man dem jungen Team definitiv noch die fehlende Routine an. Allerdings kann man sehr viel Positives mitnehmen und das wollen die Jungs auch tun, den direkt am Samstag geht es schon weiter. In der Lachenhalle empfängt man die HSG Baden-Endingen, welche man im Hinspiel in einem an Spannung kaum zu überbietenden Kampf mit einem Tor bezwingen konnte. Anpfiff ist um 19:00 Uhr, «üses Eis» freut sich über jegliche Unterstützung.
Hopp Stäffi
Fürs "Eis": Janes Karlen
Fotos: Nils Kiener